Das SchwulenZentrum (kurz: SchwuZ) ist ein Ort großer Vielfalt – das betrifft sowohl unsere Gäste als auch das Programm! In den annähernd 40 Jahren seit seiner Gründung 1977 fand ein stetiges Hinterfragen und Weiterentwickeln der eigenen Werte & Verantwortungen statt. Schon immer eine Instanz des Aufbegehrens und der Emanzipation nicht-heteronormativer Lebensweisen, feiern wir hier heute zusammen als Männer und Frauen oder nichts von beidem, weiße oder Schwarze Queers, Queers of Color, Trans*- oder InterPersonen, Lesben und Schwule, Bartmädchen, Tunten, Butches und Femmes, Personen mit und ohne Behinderungen, Migrant_innen, Junge und Alte und noch so viel mehr. Das SchwuZ ist ein offenes Haus für alle!

Im August 1971 gründete sich die Homosexuelle Aktion Westberlin, kurz HAW. Ein wichtiger Impuls hierfür war der Film »Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt« von Rosa von Praunheim. Aus dieser vorwiegend politisch agierenden Gruppe heraus entstand im Juni 1977 das SchwulenZentrum zunächst als selbstverwalteter Kommunikationstreffpunkt. Hier kamen Arbeitsgruppen zu emanzipatorischen Themen zusammen, Aktionen wurden vorbereitet und viele neue Projekte wie das Stadtmagazin Siegessäule, der Buchladen Prinz Eisenherz, die Schwulenberatung und der erste CSD 1979 auf den Weg gebracht.

Gefeiert wurde natürlich auch: Schwule Partys, Filmabende und das Café im SchwuZ zogen einen immer größer werdenden Freund_innen-kreis an. Quer durch alle Altersgruppen war das Haus vorwiegend von politisch aktivem, links-alternativen Publikum geprägt. Ein idealer Nährboden für die Entfaltung der legendären Berliner Tunten-Kultur, zu deren Entstehung das SchwuZ einen entscheidenden Beitrag leisten konnte. Denn von Anfang an war ein wesentliches Anliegen, Künstler_innen Raum für Proben und Auftritte zu ermöglichen.

Großartige Acts, die die Zeit überdauern, sind so hier entstanden: Melitta Poppe, Chou Chou de Briquette, BeV Stroganoff, Melitta Sundström und Pepsi Boston. Und natürlich auch Matthias Frings, die Teufelsberg Showproduktion, Cora Frost und Rosenstolz, um nur einige zu nennen. In den 90er Jahren schließlich erlebte Berlins Szene einen wahren Boom an neuen Partyreihen: der Club 69, die Houseboys oder die legendäre Cockerparty haben allesamt im SchwuZ ihre Wurzeln. Mit zunehmender Beliebtheit stieg aber auch der Wunsch, den höheren Publikumsströmen Rechnung zu tragen. So ist das SchwuZ, das übrigens bis heute aus dem 1995 gegründeten Trägerverein SchwuZ e.V mit seinem offenen Plenum und der ein Jahr später ins Leben gerufenen SchwuZ Kulturveranstaltungs GmbH besteht, innerhalb Berlins mehrere Male umgezogen: Von der Kulmer Straße in Schöneberg, wo die Anfänge liegen, ging es über die Kulturfabrik in der Hasenheide und dem Mehringdamm in Kreuzberg schließlich in die Rollberstraße in Neukölln, wo wir seit November 2013 zu Hause sind.

Der Standortwechsel in die alte Kindl-Brauerei in Neukölln ist für das SchwuZ auch politischer Auftrag. Unser Anspruch unterschiedliches, kulturelles Leben miteinander zu verbinden und ein Teil dieses aufregenden Kiezes zu sein, ist dabei ein wesentlicher Motor. Größere Veranstaltungsflächen bieten zudem neben dem Clubbetrieb auch Platz für weitere Ideen & Aktionen: Neue Impulse, wie die für arte produzierte Konzertfilmreihe Berlin live, Ausstellungen und Diskussionsforen ebnen einem breiten Publikum den Weg zu uns.

Bis heute ist das SchwuZ ein außergewöhnliches Projekt, das von enormem professionellen wie ehrenamtlichen Engagement, flachen Hierarchien und dem Willen für eine emanzipatorische und vor allem dialogische Entwicklung lebt.