Jurassica Parka

Geboren in Neukölln und großgewachsen in Berlin fand Jurassica 2004 in die Welt der Travestie und der Drag Queens und ist inzwischen nicht mehr daraus wegzudenken. Schon in ihrer Schulzeit führte sie ihr jugendlicher Weg ins SchwuZ, wo sie gleich an ihrem ersten Abend an eine Schangel-Show mit Ades Zabel geriet. Schnell landete sie über die Betreuung des Freischnapstresens auch an den Plattentellern und begann 2005 bei der Madonna Mania aufzulegen. Auch wenn der Kellerclub am Mehringdamm für Damen ihres Wuchses nicht ohne Tücken war (da bleib auch mal die Dutte in den scheißtropfenden Rohren an der Decke hängen), ist sie dem SchwuZ glücklicherweise treu geblieben und zieht die Massen an den Rollberg, wenn wieder zur Popkicker geladen wird.
Über die Grenzen Berlins wurde sie spätestens mit ihrem YouTube Kanal und “Attraktiv – Das Starmagazin” bekannt, wo sie über viele Jahre das Berliner Nachtleben und seinen Charakteren mit viel Witz und Kreativität ein kleines Online-Denkmal schuf. 2014 wurde sie zur Miss CSD gekürt und startete im selben Jahr ihr Latenight-Format “Pailette geht immer” im BKA Theater. Mit prominenten Gästen zieht sie dort seitdem das Publikum im frechen Plausch mit Stars und Sternchen in ihren Bann.

Daisy

Sie ist eine wahre SchwuZ-Urtunte: Daisy! Aus einem kleinen Dorf bei Heidelberg stammend, verschlug es sie ‘67 nach Berlin. Als ‘71 bei der Berlinale der Film “Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt” bei der Berlinale gezeigt wurde. Nach dem Film ging ein Ruck durch die Republik, überall gründeten sich neue politische Schwulengruppen. So war Daisy mit dabei als die Homosexuelle Aktion Westberlin begründet wurde. In der HAW wurde damals viel darüber diskutiert, was die beste Strategie sei, um sich politisch zu betätigen. Taktisch angepasst, oder radikal tuntig? Diese Diskussion gipfelte ‘73 im legendären Tuntenstreit, bei dem sich die unterschiedlichen Fraktionen auftrennten. Daisy fand sich bei den Tunten wieder, die ‘77 das SchwuZ in der Kulmer Straße gründeten.
Endlich einen eigenen Ort zu haben, war eine spektakuläre Erfahrung. Viele unterschiedliche Personen waren an der Ausgestaltung des Raumes beteiligt und es wurde streitlustig miteinander gedacht, diskutiert und geplant. Zur Eröffnung gab es eine Auseinandersetzung mit antikapitalistischen Tunten, die die Gefahr einer Kommerzialisierung und einen damit einhergehenden Niedergang des politischen Raums fürchteten. Getränkeverkauf und der “reaktionäre Dimmer” zur Regelung die einladenden Partybeleuchtung waren ihnen zuwider. Letztlich raufte sich die Gruppe jedoch zusammen und es kam zur Geburt des ersten SchwulenZentrums in der Kulmer Straße als Ort für queeres Leben, Politik, Partys und Kultur.
Auch an der Organisation des ersten Berliner CSD 1979 war Daisy beteiligt. Gerade mal ein halbes Dutzend Leute taten sich damals zusammen um am 10. Jahrestag der Stonewall Riots eine Gedenkdemo zu anzumelden. Geworben wurde auf Flugblättern, die in der ganzen Szene verteilt wurden. Die Generation dieser Zeit wollten die Leere füllen und ihre eigene Sphäre aufbauen, sie packten überall zu um das zu erreichen. Es war ihnen wichtig etwas auf die Beine zu stellen, sich dabei ausleben zu können und Spaß zu haben.

Kingz of Berlin

Die Idee für die Kingz of Berlin erblickte 2000 im Café Melitta Sundström das schummrige Licht der Welt. Fronck de Sáster, Johnny Kingsize und dessen Partnerin Sabrina, die spätere Mistress von Drag Kingdom (eine Networking-Website für Drag Kings) fanden sich über das Internet dort zusammen und stellten fest, dass die Stadt eine Drag King Boy Band brauchte. Um die Truppe komplett zu machen, wurden kurzerhand noch Nik van Dyke, Moritz G., Tiger Tom und Toni Transit rekrutiert. Unter vollem Einsatz entstanden die ersten Shows und das Publikum war begeistert. Die Kingz tanzten, spielten und kostümierten sich in die Herzen der Frauen, Lesben, Butches und Genderqueers der Jahrtausendwende und aller anderen, die neugierig genug waren sich dem Spektakel zu nähern.

So zogen sie über die Jahre durch besetzte Häuser, Kinosäle, Stadtfeste und Clubs, tourten durch Deutschland und auch international! Mailand, Zürich, Wien, Warschau, Kopenhagen, Montreal – keine Bühne wurde ausgelassen und kein:e Zuschauer:in blieb unbefriedigt zurück. Die Besetzung änderte sich mit der Zeit geringfügig: Leon Laszivo kam hinzu und nachdem zwei Kings die Gruppe verließen gab es einen Neustart mit Ben d’Over und Kris Ko. Nach 2006 folgte eine längere Pause bis es 2015 im SchwuZ zum 15. Jährigen Jubiläum die Comeback-Show gab: „Gealtert, aber nicht gereift“ war das Motto auf und vor der Bühne, mit erstmals allen neun Mitgliedern der Gruppe zusammen auf der Bühne.

Die Kingz of Berlin sind ein Phänomen, das weit über Berlin hinaus wirkte, sie hinterfragten Männerrollen und zogen sie durch den Kakao, füllten sie mit neuer Bedeutung und sprengten nebenbei die Geschlechtergrenzen. Zusammen als Kings auf der Bühne zu stehen und auch “nur” gemeinsam auszugehen und Raum einzunehmen war ein empowernder Akt der Selbstbehauptung. Berlin kann King! Die Kingz of Berlin sagen “Let the beat go on!”.

Kaey

Schon bevor Berlin um die Jahrtausendwende das Glück hatte Kaey als Bewohnerin zu gewinnen, war sie in ihrem Heimatort Halle an der Saale in Drag unterwegs. Die Aussicht damit in Berlin erfolgreich werden zu können, lockte sie in die Hauptstadt. Dort sprang sie dann auf jede Saftkiste vor der sich ein potenzielles Publikum befand, um ihre Künste darzubieten. Das SchwuZ und die AHA waren zu diesem Zeitpunkt Nachbarinnen, was für beide Vorteile mit sich brachte. Eine Tochter dieser Nähe war Café Transler, das mit seiner Open Stage auch für Kaey ein Auftrittsort wurde.
Im SchwuZ wurde sie zeitweilig als süßes Candygirl in einem Käfig ausgestellt, dessen Schloss die zuckerhungrigen Gäste zu knacken versuchten. Beim dritten Käfig-Gig musste der Tunten-TÜV der Konstruktion allerdings vorerst die Lizenz entziehen, als er samt der (unverletzten) Gefangenen zu Boden ging. Inzwischen ist Kaey ein stadtbekanntes Gesicht samt Stimme, die sie zu vielen Gelegenheiten erklingen lässt. Neben dem Gesang ist sie auch eine begabte Designerin und gestaltet viele ihrer Looks selbst mit Nadel und Faden. Im SchwuZ sieht mensch sie regelmäßig, wenn nicht schallernd lachend am Tresen oder im Backstage dösend, dann sicher auf der Bühne als Gastgeberin der Madonnamania.

Travestie für Deutschland

Travestie für Deutschland startete als Plakataktion zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses 2016. Betont satirisch ging es mit dem strahlend roten Stöckel und Jacky-Oh Weinhaus’ Konterfei in die Offensive gegen Neonazis und die Rückkehr des Rechtspopulismus. Die Plakate hangen zunächst nur in Berlin und wurden im Netz geteilt, doch das Echo auf die Aktion war beträchtlich. Bei der Soli-Show und der TfD-WahlBar im zeigte sich das Mobilisationspotenzial. Die TfD trifft einen Nerv! Viele wollten ihren Ärger in Aktion umwandeln.
So kam es dann bei der Bundestagswahl 2017 zu einer deutlich größeren Plakataktion mit mehreren bekannten Gesichtern aus der Szene. Im Netz wurden die Motive tausendfach geteilt und fanden großen Anklang. 2018 gab es dafür dann den Community-Star Award für das beste politische Projekt. Seitdem steht die TfD selten lange still. Es folgten weitere Plakataktionen zur Bayernwahl 2018, zum Verbot der schädlichen, sogenannten “Konversionstherapie”. Zur Wahl des Europaparlaments 2019 wurde dann wieder zu einer großen Kampagne geblasen, zahlreiche Drag-Performer:innen ließen sich für die Motive ablichten, dazu gab es freche Sprüche in über zehn verschiedenen Sprachen. Zum 50. Jubiläum der Stonewall Riots (die den Grundstein für den CSD legten) gab es eine Aktion unter dem #ProtectTransLives mit trans* Personen aus der Community und wenig später eine Kooperation mit dem Projekt Lesbisch Sichtbar Berlin.
Mit vielen neuen Verbündeten im Gepäck war die TfD auch jenseits von Plakaten hoch aktiv und bei vielerlei Veranstaltungen im SchwuZ und in der Stadt gefragt. Es wurde performt, Reden geschwungen, für Demonstrationen mobilisiert und Videoformate geschaffen. Die Kompetenzen und das Netzwerk der Travestie für Deutschland bündelt inzwischen der extra gegründete Verein. Es geht weiter im roten Stöckelschuh, solidarisch, kämpferisch und satirisch.

Camelia Light

Benannt nach einer Damenbinde saugt sie da wo andere nur lecken: Camelia Light! Sie kam 1991 nach Berlin, als die Community bereits den Kampf gegen AIDS aufgenommen hatte. Gemeinsame Schutz- und Freiräume und Aktion waren wichtiger als je zuvor. Da sich im SchwuZ beides verband, wurde es schnell ihr Lieblingsort. In folge einer Begegnung mit dem Pianisten von Melitta Sundström in einem Darkroom, landete sie im Gospelchor “Stimmen des Glücks”. Dort sangen Heteros, Lesben und Tunten zusammen unter der Leitung von Sundström.

Camelia und einige Gleichgesinnte schufen ‘96 mit der Idee eines transidentischen Abends das Café Transler. Die monatliche Veranstaltung, war vor allem für ihre Open Stage bekannt, bei der unter wechselnden Mottos viele unterschiedliche Künstler:innen auf der Bühne standen. Sie schuf sich mit der Zeit einen Namen, moderierte große Veranstaltungen und präsentierte in den 2000ern zwei Soloprogramme. Als DJ Modeopfer legte sie bei unzähligen Partys auf und hob im SchwuZ die Bump! und Madonnamania aus der Taufe. Bei so vielen erfolgreichen Partynächten verwundert es nicht, dass auch schon Berliner Politprominenz in ihrem Beisein die Treppen am Mehringdamm hochgeschleppt werden musste.

Ovo Maltine

Nachdem sie 1987 aus der rheinländischen Ahr-Provinz nach Berlin gekommen war, erwählte sie bei ihrem ersten SchwuZ-Besuch einen Tuntennamen nach einem Lebensmittel, wie es schon viele vor ihr taten. Ovo Maltine war geboren! Sie füllte den Namen schon bald mit neuen Bedeutungen und neuem Leben. Immer blieb sie ihrem Spruch treu “Eine Tunte erkennt man nicht daran, wie sie sich bewegt, sondern dass sie was bewegt“: Bei Les Tuxx tat sie sich als Polittunte, Moderatorin und Kabaretttunte hervor, die über die Jahre in vielen Aktionen, Projekten und Bühnenshows involviert war. In 2000 war Sie mit ihrer eigener Showreihe “Goldmundlounge” im Pfefferberg.
Ovo stand für einen trotzigen und lebensbejahenden Umgang mit HIV/AIDS und setzte sich unter anderem über Benefizveranstaltung für Prävention, sowie gute Versorgung und Pflege von AIDS-Kranken ein. 1998 trat sie im Wahlkreis Kreuzberg-Schöneberg als Direktkandidatin für die Bundestagswahl an: offen Schwul, Tunte und HIV-Positiv. Sie verstarb 2005 an Lymphdrüsenkrebs und wurde auf dem Alten St. Matthäus Friedhof beigesetzt. Ihre vorher schon selbst gewählte Grabstätte gilt heute auch als Pilgerort für manches Jungtunt*volk, das wie Ovo einst aus den Provinzen nach Berlin geeiert kommt.

Pepsi Boston

Pepsi Boston war eine Berliner Polittunte aus der Ladies Neid Ära. Den Einstieg machte sie mit dem von ihr verfassten Gedicht “Bambi und der Elch”. Für den Vortrag als frühpensionierte Odenwaldlehrerin gekleidet, wurde das enge, matronenhafte Kostüm schnell ihr Markenzeichen. Sie schrieb eigene Liedtexte und diverse Sketche, die sie auf Band einsprach und die dann bei den Shows zur Aufführung kamen. Dank Pepsis fantastischem Humor halten sich einige der Stücke bis heute im Gedächtnis der Tuntenkultur. Bekannt war sie auch für ihr Improvisationstalent: Fand eine Kollegin mal nicht rechtzeitig ihre Stöckel oder es gab eine Panne, war Pepsi zur Stelle um mit einer unterhaltsamen Zwischenmoderation die notwendige Zeit zu schinden.
Nachdem in Ladies Neid Versuche unternommen worden waren sich zu professionalisieren, gründeten Pepsi, Melitta Poppe und Chou Chou de Briquette die Gruppe Penis Neid. Mit ihren Programmen gingen sie auf Tour durch die deutschen Städte und eroberten neue Bühnen. Durch ihre Freundschaft zu Roland M. Schernikau holte Pepsi dessen Theaterstück für eine Travestiegruppe “Die Schönheit” ins SchwuZ, das dort eine Woche lang von den SchwuZ-Tunten gespielt wurden. Wie viele Schwestern diese Zeit starb sie viel zu früh an den Folgen ihrer AIDS-Erkrankung. Als Femmage wurde ihr im SchwuZ am Mehringdamm ein Floor gewidmet, die Pepsi Boston Lounge.

Mermaid Mudi

Die Nächte in der Berliner Szene sind voller rätselhafter und magischer Wesen. Und wenn sich der Mond erhebt, kommen die Meerjungfrauen an die Ufer der Spree und mischen sich unter das Partyvolk. Mermaid Mudi trugen die Wasser 2017 in die Stadt und schnell fand sie sich bei ihrem ersten Besuch im SchwuZ wieder. Als Teil des Garderobenteams und am Einlass wurde sie schnell eines der bekannten jungen Gesichter des Rollbergs.

Die Nachwuchs DJane begann bei Springbreakers aufzulegen und irgendwann mussten die ersten Highheels und opulentes Zweithaar her. Doch ersten Gehversuche als Drag Queen sind voller Herausforderungen: Anfangs waren ihr die Schuhe noch etwa zu groß und so wäre sie fast bei ihrem Bühnendebüt von Rampe gefallen! In ihrer Rolle Hostess der Tasty füllte sie aber schon wenig später die hohen Hacken aus und sie führt die Crowd mit Eleganz und Charme durch die Nacht.

Vivienne Lovecraft

Schon bevor sie 2018 durch eine günstige Sternenkonstellation von Bremen nach Berlin beschworen wurde, sollte ein famoser Sieg Viviennes Weg in das SchwuZ ebnen. Mit ihrem Talent fürs Basteln gewann Sie bei der Drags & Eggs SchwuZ Osterdisko das Preisgeld in der Kategorie Beste Maske, das prompt in ihre ersten TV Paint Sticks investiert wurde. Da sie ihre Entwicklung als Drag Performerin bereits in Bremen beim Mischen von Cocktails, Parties und bei Auftritten mit dem selbst gegründeten House of Love startete, standen ihr in Berlin schon die Türen offen: Sie wurde Teil der #Schangelig Crew und schnell eine dauerhaft gesehene Gästin und gern gesehene Unterhaltungsdame.
Auch die queere Asian Community Berlins wurde auf sie Aufmerksam und freut sich mit Vivienne ein neues Gesicht und eine neue Stimme in ihren Reihen zu haben. Eine starke Stimme! Denn für Vivienne ist Drag auch ein Ort um sich mit dem eigenen Hintergrund auseinanderzusetzen und so Kunstformen und Themen, die damit in Verbindung stehen, durch ihre Performance Ausdruck zu verleihen. Mit ihrer Experimentierfreude und Kraft für neue Projekte mischt sie die queere Szene auf und schreckt auch vor großen Größen wie EuroDiva, dem internationalen Tunt*Contest nicht zurück, den sie im Organisations- und Moderationsteam mitgestaltete.

Destiny Drescher & Amy Strong

Sie könnten als die Schöne und das Biest beworben werden, wären nicht beide zu schön und nur wenig biestig! Amy Strong und Destiny Drescher waren sich schon als Kolleginnen aus dem SchwuZ bekannt, als sie 2018 begannen zusammen die DIVAS zu hosten. Destiny, die schon seit 2012 im Fummel unterwegs ist, war perfekt als erfahrenere Queen neben der ambitionierten Newcomerin Amy: Zusammen sind sie ein unaus- äh unwiderstehliches Duo auf der Bühne! So wundert es auch wenig, dass sie mit der DIVAS den Community Star 2018 für die beste Party gewinnen konnten.
Wenn sie nicht gerade in ihrer Freizeit bei Partys am quatschen sind und sich den ein oder anderen Trick beibringen, sind sie zusammen oder in anderen Konstellationen in aktivistischen und künstlerischen Projekten involviert. Ob als Botschafterinnen für die TfD – Travestie für Deutschland, beim Moderieren auf dem Motzstraßenfest oder an den DJ:ane-Pults und auf den Bühnen der Partys und Kneipen der Stadt, die beiden lassen kaum eine Gelegenheit aus gut geschminkt und mit glamourösem Dutt Programm zu machen.

Gloria

Um sie führt kaum ein Weg herum: Groß, kämpferisch und mit dem markanten Schnäuzer ist Gloria Viagra schon auch mal über viele Stunden in Highheels mit einem Schild in der Hand auf einer Demo zu entdecken. Ihre Fummel-Karriere startete bereits mit ihrer Schwester bei den Modenschauen ihrer Kinderzeit. Viele Jahre später, nach ihrem Coming Out, landete sie dann mit Gérome Castelle in Drag im Schwuz. Melitta Sundström nahm sie unter ihre Fittiche, mit der sie dann zusammen im Gospelchor Stimmen den des Glücks sang. Auf der Bühne war sie auch mit anderen Figuren zu sehen, beispielsweise mit Renate Wanda de la Gosse.

Zu ihren bedeutenden Wirkstätten zählt das SO36 in Kreuzberg, wo sie am Tresen arbeitete und mit an der Ausgestaltung des Ortes beteiligt war. Überregionale Bekanntheit erlangte sie schließlich als DJane und Partyhostess. Im SchwuZ am Mehringdamm stand sie für Partysane. Die Partyreihe hatte Bestand bis in die Rollberg-Ära hinein und sammelte mit dem Partysanegroschen (eine zusätzliche Spende zum Eintrittspreis) in sechs Jahren über 25000 Euro für queere und politische Projekte.

Coco Lores

Schon ihre Schauspiellehrerin wusste, dass sie eigentlich die komische Alte spielen will, so war wenig überraschend, dass Coco Lores, gehüllt in Kassler und Hornhaut in ihrem Element angekommen war. Dabei entstand Coco eigentlich rein zufällig als für das Jubiläum des Cafe Theater Schalotte spontan ein kleiner Auftritt mit ihrer Pianistin her musste. Das Publikum wollte mehr und so hatte kurze Zeit darauf zur Jahrtausendwende das erste abendfüllende Programm Premiere. Sie kramte ihre alte Gitarre aus dem Keller und landete über das Hoffest am Mehringdamm auf der SchwuZ-Bühne. 2004 entwickelte sie ihr Programm Cocooning, eine Antwort auf die Angst und den Rückzug ins Private, die aus den Anschlägen vom 11. September erwachsen war.

Coco Lores wurde eine stadtbekannte Kultfigur, die in vielen Projekten involviert war. Im SchwuZ hielt sie bei der Wong Show grazil die Zuschauer:innen in Schach, wenn in der Menge darum gefochten wurde an den Gong zu gelangen um den aktuellen Auftritt zu stoppen. Eine gute Abwechslung war sicher später das Format Büchersendung, die sie zusammen mit Jurassica Parka dem Publikum präsentierte. Dort wurde dann statt gerangelt zur gemeinsamen Unterhaltung Texte mitgebracht und verlesen.

Lange Zeit war Coco Lores ein Mysterium, das die Gäste auch mal so heftig darüber streiten ließ, ob sie nun ein Mann oder eine Frau im Fummel sei, dass der Schankwirt persönlich als Schlichter auftreten musste. Schließlich gab es ein eine Enthüllungsstory in der Siegessäule! Heute kann jede:r sie mit ihren anderen Figuren verknüpfen. Mit ihren Programmen bringt sie unter anderem als Claire Waldoff der Geschichte Berlins in die Gegenwart und lässt alte Gassenhauer und lesbisches Liedgut in der neuen Generation weiterleben.

BeV StroganoV

Als eine der vielen Töchter des Tuntenensembles Ladies Neid wurde BeV StroganoV zwar auf, aber sicher nicht nur für die Bühne geboren. Sie machte sich als Moderatorin und Modedesignerin einen Namen und war bei vielen Benefiz-Projekten dabei. So war sie Mitorganisatorin des CSD in den 80ern, wirkte lange Jahre an der Ausrichtung des Teddy Award mit und war im Programm des schwulen Fernsehens (FAB, andersrum 1991/92) vor und hinter den Kulissen tätig.

Ihre modischen Schöpfungen präsentierte sie unter anderem bei Tuntenmodeschauen (erstmal 1987 im SchwuZ) und griff darin auch das Thema HIV/AIDS auf. Wichtig war ebenfalls Alternativen zur starren Herren-Damen-Trennung aufzuzeigen und die Akzeptanz von trans* Personen. Ab 2000 organisierte sie die erste Translesbischwule Partyreihe: „Oz-queerwonderworld“. Nach dem Tod Ihrer Freundin Ovo Maltine 2005 und eigener Krebserkrankung war sie im Friedhofsverein aktiv und fand nach 12 Jahren Pause auch wieder auf die Bühne zurück.

Heute malt BeV “Homosexuelle Hoheiten” und Fetischbilder, lädt zu politischen Talkrunden und arbeitet ehrenamtlich im Archiv des Schwulen Museums. Im Internet betreibt sie seit 2016 ein Online-Tuntenmuseum in Memoriam und hat eine reiche Videosammlung mit Zeugnissen der Tuntenkultur auf ihrem YouTube-Kanal zur Verfügung gestellt. BeV ist eine Tunte, die nie aufgehört hat ihre Zeiten zu bezeugen, mitzureden und mitzuwirken. Sie bewahrt den Schatz der Tuntigkeit und trägt ihn weiter.

Die Bermudaas

Die Bermudaas waren eine Gesangstruppe, die sich 1983 im Hinterzimmer des Café Graefe in Kreuzberg formierte. In diesem offen schwulen Lokal stand Melitta Sundström am Tresen und traf dort auf Melitta Poppe, welcher sie von ihrer Idee erzählte, im Hinterzimmer auf einer kleinen Bühne aufzutreten. Die beiden suchten über eine Zeitungsannonce nach Verstärkung und fanden diese in Gladys Schnitzelschneider.
Nach den ersten Auftritten im Café Graefe begannen die drei mit Kassettenplaybacks und einem Ghettoblaster bewaffnet die örtlich Szenelokale zu durchstreifen. Sie lernten lauter zu singen als die angeheiterte Kneipe und das – ob der schäbigen Tunten eher skeptische – Publikum mit ihren gut einstudierten Nummern zu überzeugen. Bereitwilligere Zuhörer:innen fanden die Bermudaas im SchwuZ als sich ‘85 Ladies Neid formierte. Sie wurden ein beliebter Teil der Shows erweiterten sich um Elke Lembke und Püppi. Zusammen spielten sie als Teil der Programme, die zeitweise mehrmals pro Woche gespielt wurden.
Eine Bermudaas Mini-Tournee führte sie in die Nähe von Melitta Poppes Heimatstadt, wo sie applaus- und regungslose Zuschauer:innen in einem kleinen Dorf in Nordrhein-Westfalen bespielten. Die Damen sangen, schwitzten und schwatzten sich um Kopf und Kragen, doch nur die mitgereiste Artistentunten Erdbeere vermochte mit ihrem Einrad das dörfliche Hetero-Publikum aufzulockern. In Münster waren die Berliner Tunten dann zwar selbst den Schwulen zu schräg, doch in ihrer Heimatstadt Bad Kreuznach konnten die Sundström und Else Lembke am Ende mit Witz und Mundart wieder den wohlverdienten Applaus einfahren. Die Gruppe löste sich schließlich in Ladies Neid auf, sie mischten sich mit dem Rest der großen Truppe und es fanden sich neue Konstellationen und Soloprojekte in denen zusammen gespielt und gesungen wurde.

LaQuéfa St. Laurent

Ihre neue Bekanntschaft vom Vortag war überzeugt, dass LaQuéfa – damals noch ohne Namen und 007* – unbedingt auf den Journey to the Far East Ball musste, zu dem die 2014 noch junge Ballroomszene Berlins eingeladen hatte. SIe wusste zwar noch nicht genau was sie tat, aber sie mischte sich gleich in den Wettbewerb und wusste, dass sie alle kennenlernen musste, was damit zu tun hat. Viele weitere Bälle später war sie Teil des heute als House of St. Laurent bekannten Ballroom-Hauses um Pionierin Mother Leo St. Laurent. Mit Future V schuf sie 2017 ein Tanz- und Filmprojekt für queere Geflüchtete aus dem auch das damalige Kiki House of Arise hervorging.
Zum Valentinstag 2019 lud sie zum Love is in the Air Kiki Ball ins SchwuZ, der derart gut besucht war, dass sich die Zuschauer:innen im Salon regelrecht bis auf den Bartresen stapelten. Die Ballroom Community zeigte, dass sie da ist und voller Begeisterung für die Ball Culture und bereit sich neue Räume zu erschließen! Folglich wurde der nächste Ball in der SchwuZ-Kathedrale gefeiert, samt extra Backstage für die vielen Teilnehmer:innen, die gekommen waren um in den fast 20 Categories eine Throphy zu ergattern. Bei so viel Andrang kann es auch mal hektisch werden oder etwas heiß hergehen! LaQuéfa warnt daher aus eigener Erfahrung: Heiße Flirts während eines Balls lieber erst nachdem die letzte eigne Throphy bereits gewonnen ist.
*007 wird in Ball Culture für alle Personen ohne House anstelle des House-Namens verwendet.

Bambi Mercury

Nachdem Bambi bereits in ihrer Kindheit als Rotkäppchen verkleidet Schminke geleckt hat, ist sie schon früh auf den Geschmack gekommen. Nach ersten Gehversuchen in Frankfurt am Main landete sie auf der Suche nach mehr bei ihren Besuchen in Berlin immer wieder im SchwuZ am Mehringdamm. Dort machte sie die Bekanntschaft der dort heimischen Drag Queens und Tunten und begeisterte sich für zu Spaß und Trash einladenden Partys wie Daenzgedöns, die Bambi mit ihren immer neuen Mottos ans Herz wuchsen. So wurde das SchwuZ ihr Heimathafen als sie 2012 in Berlin ansässig wurde.
2014 ließ sie sich von Drag Race inspirieren und eignete sie sich alle Fähigkeiten der Drag-Kunst an. Das Make-up bleib endlich haften! Seit dem begeistert sie mit ihren bis ins letzte Detail durchdachten Looks. Ob als Empfangsdame, auf der Bühne oder am DJ-Pult, Bambi betört und zieht die Blicke auf sich. Durch ihren schönen Bart kommt es bei Uneingeweihten aber auch schon mal zu Irrtümern: Die Mutter eines süßen Partygastes machte Bambi fälschlicherweise Komplimente für ihre tollen Auftritte bei QVC! Lustige Verwechslungen wie diese dürften, nachdem sie bei Queen of Drags dem deutschen Fernsehpublikum bekannt wurde, wohl nun Vergangenheit angehören. Doch den Clubs bleibt sie treu, denn sie liebt es der Community etwas zurückzugeben. Als SchwuZ Resident DJ zaubert sie an den Plattentellern die kleine Utopie herbei, in der alle frei sein und sich ausleben können.

 

Ladies Neid

Der Legende nach traf eines Tages im Jahr 1985 eine Gruppe von potenziellen Damendarstellerinnen durch ein Zeitungsinserat in einem Raum aufeinander. Zu diesem Zeitpunkt dürfte noch keine:r gewusst haben, dass sich ein Tuntenprojekt von historischem Ausmaß daraus entwickeln sollte. Die Tunten dieser Zeit waren schön und schäbig, schräg und sexy, bei ihren Shows tummelten sich über 30 Persönlichkeiten auf der Bühne um das Publikum durch das mehrstündige Programm zu führen. Doch die Geburtsstunde von Ladies Neid war vor allem eine politische: Die erste Show fand im August 1985 in der Kulmer Straße in den Räumlichkeiten des damals noch jungen SchwuZ statt und sammelte Spenden für die neu gegründete Berliner AIDS-Hilfe.
Es folgten viele weitere Auftritte und das Ensemble ging auch auf Reisen um jenseits Berlins mit ihren politischen Shows die Bühnen unsicher zu machen. Sie folgten 1987 dem Umzug des SchwuZ in die Hasenheide und organisierten noch zusammen bis sich die Gruppe 1988 auflöste. Die Freundschaften und Konflikte, die politische Botschaften und künstlerischen Auswüchse von Ladies Neid wirken weiter, haben die Tuntengeschichte Berlins geprägt und das Band zwischen Tunten und dem SchwuZ gefestigt.

Rat der Ranzigen

In der Silvesternacht von 2017 fanden sich in den späten Morgenstunden einige höchst abgeranzte und schaumweintrunkene Tunten im Backstage des SchwuZ und hatten eine Erkenntnis “Wir sind sooo ranzig! Wir sind der Rat der Ranzigen!”. Sie schworen sich bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit eine Show zu schmeißen.

So wurde die #Schangelig geboren, die im Frühling 2018 erstmals das Scheinwerferlicht der Welt im SchwuZ-Bunker erblickte. Mit dem erklärten Ziel unter dem Motto Kinks & Queer & Tuntitunt Tunts eine wilde und grundsätzlich viel zu lange Show auf die Beine zu stellen, machten über die Jahre fast 100 bekannte Bühnenkünstler:innen und Newcomer zusammen das Parkett unsicher. Ein wichtiges Markenzeichen sind die bei jeder Show wechselnden Moderationsquartetts. Diese setzen sich aus Personen vom Rat der Ranzigen und Gastmoderator:innen zusammen und gestalten gemeinsam das abwechslungsreiche Lineup.

Das Organisations-Kollektiv plant zusammen, setzt sich mit Konflikten auseinander, reist, geht demonstrieren, schmeißt Shows und Workshops und entwickelt neue Bühnennummern. Zur Pride Saison gibt es auch mal einen Workshop zum gemeinsamen Schilder basteln für den Dyke* March und oder die CSD Demonstrationen. Diese neue Tunt*generation schafft einen Raum für Queerness, einen Platz für die eigene Botschaft, für Politisches und Albernes und für Experimente.

Dragoholic

Mit Dragoholic schafft Judy LaDivina seit Anfang 2018 monatlich eine empowernde Bühne für neue Drag Performer:innen. Im vollgepackten Hinterzimmer des Silver Future in Neukölln erblickten seitdem viele Künstler:innen das Rampenlicht und machten erste Showerfahrungen in Berlin. Großen Wert legt die Gastgeberin Judy dabei immer darauf eine wertschätzende und willkommende Atmosphäre zu gestalten.
Am Ende des Jahres kommen alle wieder zusammen zur Dragoholic Graduation Party auf der großen Bühne im SchwuZ. Dort stehen dann gut und gerne über 20 neue Drag Kings, Queens und Things vor dem Publikum und zeigen, dass sie bereit für jede Herausforderung sind. Getragen vom “Way of Judy” – für Frieden und Coexistenz einzustehen – gibt Dragoholic Neuankömmlingen in Berlins Dragszene einen Ort zum Kennenlernen und Ausprobieren, neue Freund:innen finden und erste Fans zu gewinnen.

Biggy van Blond / Edith Schröder

Das alte West-Berlin war die Wiege der dauerarbeitslosen Hausfrau Edith Schröder. Die Figur ging aus der Truppe Teufelsberger hervor, die in Anlehnung an Paramount Pictures in den 80ern eigene Filme und Bühnenshows mit wiederkehrenden schräg-sympathischen Berliner Charakteren produzierte. Biggy van Blond war gegen Ende der Teufelsberger Schaffenszeit gelegentlich als Gast dabei und wurde Ediths Tochter und gute Freundin. In den späten 90ern begannen die beiden bei Partys aufzulegen – eine Zeit in der Drag DJ:anes eine noch seltene Attraktion waren. Während des Sets griffen die beiden Damen gelegentlich zum Mikrofon um sich humorvoll in die Songs einzumischen, zur großen Unterhaltung des Publikums!

Edith und Biggy entwickelten gemeinsame Programme wie Wenn Ediths Glocken läuten und Ediths Sommernachtstraum. Serviert wird immer eine gute Mischung aus aktueller Travestie vom Fass, frechen Charakteren mit Berliner Schnauze, ollen Kamellen und derben Scherzen. Seit 2015 sind die beiden verlässlich im SchwuZ bei Edith Schröders Kiezdisko anzutreffen, die Party mit Kegelbahn! Oder die Kegelbahn mit Party? Wie auch immer! Auf jeden Fall gibt es eine Show – und natürlich Futschi! Doch das kultige Mischgetränk ist mit Vorsicht zu genießen, sonst watet mensch am Ende noch in Biggy und Ediths Fußstapfen durch einen sommerlichen See im Tiergarten, in der Hoffnung auf eine Abkürzung nach Hause.

Les Tuxx

Die Gruppe Les Tuxx fand sich 1987 zusammen und war zu Beginn zu viert (Paula Sau, Erika Radtke, Renate Wanda de la Gosse und Gaby Grabsch). Sie bildeten die zweite produktive Tuntengruppe im SchwuZ, die neben dem groß angewachsenen Projekt Ladies Neid einen neuen Anfang wagte. In ihren Shows parodierten sie vor allem die spießigen Frauenbilder der 80er, irgendwo zwischen ihren eigenen Müttern und den schrägen Damen dieser Zeit.
Die Bühne bot dabei auch den Platz um die eigenen Erfahrungen zu verarbeiten, wenn zum Beispiel eine stressige Situation aus der U-Bahn in einem Sketch für das Publikum aufbereitet wurde. Zur Hochzeit der Gruppe gab es sogar alle paar Wochen eine Show im SchwuZ! Mitunter verschlug es die Tuxx Tunten auch mal nach Düsseldorf, wo sie erst am dortigen Flughafen durch ein Fotoshooting mit Jürgen Baldiga das Personal irritierten und im Anschluss in der Besetzerkneipe in der Kieferstraße eine Show stiegen ließen. Trotz der Auflösung von Les Tuxx wenig später nach dem Mauerfall, sollten die Freundschaften und die Zusammenarbeit auf der Bühne aus dieser Zeit zum Teil noch lange Bestand haben.

Venus Boys

Lange Jahre musste Berlin von einigen wenigen Drag Kings durchgefüttert werden, doch immer blieb der Hunger nach mehr. 2019 sollte dieser Hunger endlich gestillt werden als Camp Dad das Projekt Venus Boys als “playground for masculine drag” aus der Taufe hob. Im Scheinwerferlicht der Bühne des Silver Future erblickten seitdem viele neue Drag Kings und andere Wesen das Licht der Welt und bereits Eingesessene fanden wieder einen Ort an dem sie alle den Platz bekamen, den sie brauchten.

Schnell wurde aus dem kleinen Projekt ein größeres Unterfangen. Immer neue Performer:innen kamen dazu und es entwickelte sich ein Netzwerk, ein Kollektiv, das gemeinsam plant, organisiert, lernt, lehrt und größere Produktionen auf die Beine stellt. Im August 2019 zog es die Venus Boys erstmals ins SchwuZ für eine Hommage an Freddy Mercury. Es entstand eine Show mit zehn unterschiedlichen Charakteren auf der Bühne, die alle ihre Talente auspackten um das Publikum regelrecht umzuhauen. Auf der Bühne fuhr ein Fahrrad im Kreis und auf Freddys Umhang strahlte der Schriftzug “Not a Drag Queen”.

Im SchwuZ gab es dann alle zwei Monate eine Venus Boys Show bei der HOT TOPIC und es entstanden neue Formate im Monster Ronson’s in Friedrichshain oder im Tipsy Bear in Prenzlauer Berg, wo Buba Sababa “König” präsentiert. Die Show heißt neue Kings bei ihren ersten Performances in der Berliner Szene willkommen. Während der Corona-Lockdowns waren sie weiter mit den Digital Boys für das Publikum da und übernahmen im Oktober 2020 pandemiegerecht Overmorrow mit der lebendigen Drag-Installation “This is not Wonderland”. Venus Boys stehen für einen Akt der Solidarität mit FLINTA*-Personen, öffnen Welten und geben Wissen weiter. Mit Selbstermächtigung, Netzwerken und verdammt geilen Shows verschaffen sie sich den Platz der ihnen schon immer zustand.

FLINTA* steht für Frauen, Lesben, inter*, non-binary, trans*, agender.

Miss Debra Kate

Wer in den 90ern auf der Suche nach Informationen war, schaute sich neben Zeitungsinseraten auch Aushänge an schwarzen Brettern an. Miss Debra Kate stolperte dabei über einen kleinen Werbeflyer für Café Transler und landete so eines Abends im SO36. Begeistert von der trashigen Show wollte sich they gleich als helfende Hand einbringen und geriet im Backstage mit Camelia Light praktischerweise direkt an die richtige Person. Their Deutschkenntnisse erwarb Debra Kate so an der VHS und zwischen Schlagern und Tuntenshows. Bald war es ein Leichtes, Brot zu kaufen und Perücken zu empfehlen.

Miss Debra Kates eigener “Super Fancy”-Style beruht darauf wie beim dekorieren eines Cupcake immer weiter aufzutragen. Eine Schicht Glasur, noch eine Schicht Glasur, bunte Streusel, ein paar silberne Perlen, dann vielleicht noch eine kandierte Kirsche und zum Schluss eine Kerze. SUPER FANCY! Angeregt von den wechselnden Mottos der Abende bei Café Transler in der AHA am Mehringdamm entstanden so zahlreiche Kreationen. Debra Kate komponierte die Viktoria von der Siegessäule aus einer gelben Regenjacke vom Flohmarkt, Draht, einer leeren Spaghettiverpackung, gelbem Toilettenpapier, einem Besenstiel und mit gelbem Textmarker eingefärbtem Klebeband. Die Goldelse wurde aus dem Publikum auf die Bühne zitiert und der Rest ist Geschichte.

Über die Jahre trat Miss Debra Kate trat vielfach bei Café Transler im SchwuZ auf und verteilte kiloweise Naschereien bei der “bump!”. Ein Auftritt der Kingz of Berlin bei Café Transler öffnete them den Weg in die Drag King Szene. They war oft und vielerorts involviert, bei Veranstaltungen um Drag Kings und Tunten in Berlin, bei Wigstöckel und bei internationalen Drag und Trans* Events. Als Fotograf:in machte Debra Kate über die Jahre zahllose Fotos von der Szene, die auch immer wieder in Zusammenhang mit Events präsentiert und genutzt wurden. Über 10 Jahre fotografierte Debra Kate auch bei Partys und Shows im SchwuZ, wo they bis heute their Leidenschaft treu bleiben: Trümmer, Trash und Super Fancy Cupcake Style! Spenden in Form von Kittelschürzen, Hauskitteln und Schürzen sind herzlich willkommen.